ERSA ERSA 0CA10-001 Fachbeitrag

Baugruppenfertigung Handlöten
Gesundes Handlöten
Die richtige Ausstattung und Ergonomie am Arbeitsplatz
Handlötarbeitsplätze werden häufig durch automatische Verfahren ersetzt. Aber nicht grundsätzlich, denn es gibt nach wie vor Anwendungen, bei denen Lötstellen manuell hergestellt werden müssen. Welche Faktoren bestimmen ein gutes Lötergebnis in einem optimalen und ergonomischen Arbeitsumfeld?
n Zeiten von hochintegrierter Elektro­nik und kleinsten Bauteilen sind eine hohe Konzentration und das Wohlbe-
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finden der Mitarbeiter wichtige Einfluss­faktoren für gute Ergebnisse. Das gilt beim Handlöten genauso wie für Kolle­gen in der Produktion, das technische Personal im Prüffeld oder die Hardware­Entwickler im Elektroniklabor. Neben den Basics wie den richtigen Werkzeugen und Hilfsstoffen gibt es andere Faktoren, die Einfluss auf den Mitarbeiter und auf seine Leistung haben.
Ergonomisch und individuell ein­gestellter Arbeitsplatz
Zu Beginn steht die richtige Ausstattung eines Löt-Arbeitsplatzes. Ein höhenver­stellbarer Arbeitstisch und ein zeitgemäßer Arbeitsstuhl sind essen ziell für ergonomi-
sches Handlöten. Einige Hersteller bieten inzwischen auch Lötstationen von Ersa als Module für ihre Laborarbeitst ische an. Die Ergonomie ist hier ein wichtiger Aspekt: Ist bereits die Sitzposition des Mitarbeiters ungünstig, können Verspannungen und eine schlechte Körperhaltung durchaus Einfluss auf das Lötergebnis haben. Zwar gilt diese Regel für alle Arbeitsplätze, da aber beim Löten besondere Konzentration und Präzision gefordert sind, ist der Effekt des falschen Sitzens umso deutlicher. Neue Tische und Stühle allein sind allerdings noch nicht die Lösung, es kommt auch da­rauf an, diese fachgerecht an die einzelne Person und deren Bedürfnisse anzupassen. Um seinen Arbeitsplatz optimal einzurich­ten hilft die Unterstützung durch geschul­te Berater, denn: Selber sieht man nicht, wie man sitzt.
Autor: Jörg Nolte
Eine gleichmäßige, reflexionsarme und ausreichend helle Ausleuchtung der Tisch­fläche ist eine weitere, wichtige Grundla­ge. Unzureichende Beleuchtung führt unter Umständen zu einer Fehlhaltung und das Arbeitsergebnis sowie die Gesundheit leiden. Einschlägige Richtli­nien wie jene von den Berufsgenossen­schaften liefern hier sehr gute Anhalts­punkte. Aber auch bei der Beleuchtung kann die individuelle Empfindlichkeit der
Mit der vierkanaligen Löt- und Entlötstation
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i-Con Vario 4 entfällt der umständliche Werkzeugwechsel.
Die Einflussfaktoren auf das Lötergebnis
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sind vielfältig und bedürfen genauerer Be­trachtung und Umsetzung.
Den Lötrauch zügig absaugen, können die
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leisen Lötrauchabsaugungen Easy Arm 1 und Easy Arm 2, die sich mit den Lötstatio­nen der i-Con-Familie verbinden lassen.
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Eck-DATEN
Die richtige Work-Balance finden
Speziell in der Nacharbeit elektronischer Baugruppen sind die Anforderungen an qualifizierte Lötkräfte sogar gestiegen. Da­her gilt es zu beachten: Gute Lötergebnisse und gesunde, motivierte Mitarbeiter sind ein Selbstläufer, wenn man einige einfache Regeln beachtet und bei der Ausstattung sowie Qualifizierung der ausführenden Per­sonen die richtigen Dinge tut. Tipps gibt es unter www.die-gesundheitstrainer.de und www.avle.de.
24 productronic 06-7/2018
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www.all-electronics.de
Baugruppenfertigung Handlöten
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Bild: Ersa
Einst belächelt, jetzt en-vogue: Geeignete
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und einfach durchzuführende Entspan­nungsübungen in den Arbeitspausen hel­fen, Stress abzubauen und schnell wieder fit zu werden.
Knausern gilt nicht: Ein ergonomischer und
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gut ausgestatteter Löt-Arbeitsplatz erleich­tert die Konzentration und damit auch die Präzision beim Handlöten.
Lässt sich der Löt-Arbeitsplatz problemlos
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auf den jeweiligen Mitarbeiter einstellen, sorgt dies für ein verspannungsfreies Ar­beiten und damit für gute Lötergebnisse.
Mitarbeiter variieren, sodass entsprechen­de Anpassungen nötig sein können. Besondere Aufmerksamkeit gilt hierbei auch dem Ablesen von Instrumenten, zum Beispiel an Lötstationen. Reflexe in Dis­plays sollten vermieden, kontrastarme Anzeigen angepasst werden, damit der Mitarbeiter alle für die Arbeit wichtigen Informationen problemlos ablesen kann.
Augenmerk auf Werkzeuge und Hilfsstoffe
Naturgemäß sind die richtigen Lötwerk­zeuge und Hilfsstoffe entscheidend f ür die erfolg reiche Bewältigung einer Lötaufga­be. Die Verarbeitung der erforderlichen Lotlegierung mit einem geeigneten Löt­kolben und der Ei nsatz des richtigen Fluss­mittels sind hier die bestimmenden Grö­ßen. Feine Lötspitzen sind bei den heute üblichen, kleinen Lötstellen ebenso wich­tig wie eine ausreichende Vergrößerung durch ein geeignetes Mikroskop. Nur wenn die Lötspitze in Größe und Form zur Lötaufgabe passt, ist es mögl ich, zügig und zuverlässig zu löten.
Beim Einrichten des Mikroskops ist es wichtig die Sitzhaltung zu berücksichti­gen. Für feinste Lötarbeiten darf die Kör­perhaltung nicht verkrampft sein. Ein handl icher, nur 30 g leichter Lötkolben w ie Ersas i-Tool erleichter t die Arbeit erheblich. Weitere Werkzeuge sind eine Entlötpin-
zette, ein Entlötkolben und ein Heißluft­Kolben. Vorteilhaft ist es, wenn das Löt­werkzeug bequem im Dreipunktgriff gehalten werden kann. Diese Handhal­tung wird früh erlernt und erlaubt eine präzise Führung des Instruments.
Im Idealfall lassen sich diese vier Löt­werkzeuge parallel betreiben. Möglich macht dies beispielsweise die Handlötsta­tion i-Con Vario 4. So ausgestattet, entfällt ein umstä ndlicher Werkzeugwechsel und es lassen sich alle manuellen Lötarbeiten professionell ausführen.
Zur Ausstattung eines modernen Löt­arbeitsplatzes gehört auch eine Lötrauch­absaugung, um die schädlichen, lungen­gängigen Partikel zu filtern, die beim Löten entstehen. Ein gesundes Raumkli­ma sollte in jedem Unternehmen selbst­verständlich sein: Die besonders leisen Lötrauchabsaugungen Easy Arm 1 und Easy A rm 2 von Ersa können mit den Löt­stationen der i-Con-Familie verbunden werden und sind nur dann aktiv, wenn auch gelötet wird. Sie sorgen für gereinig­te Atemluft bei geringen Betriebs- und Filterkosten.
Und die Mitarbeiter?
Die zentrale Rolle am Lötarbeitsplatz spielt nach wie vor das Wohlbefinden der Mit­arbeiter. Eine solide Ausbildung zur Löt­fachkraft, wie sie vom Ausbildungsver­bund Löttechnik Elektronik, kurz AVLE, angeboten wird, ist eine wichtige Grund­lage. Nur geschultes Personal kann die zum Teil herausfordernden Tätigkeiten in ausreichender Qualität erledigen. Es erschließt sich ebenfalls unmittelbar, dass die persönliche Ausstattung der Mitarbei­ter an die Aufgabe angepasst sein muss. Handschuhe und Schutzbrille sind eben­so bedeutsam wie die richtige ESD-Aus­rüstung und ei ne angenehme Arbeitsklei­dung.
Selbst bei optimalen Voraussetzungen ist es notwendig, regelmäßig kurze Arbeitspausen einzulegen, um die Kon­zentration zurückzugewinnen und Ver­spannungen vorzubeugen. In den Pausen gilt das erste Augenmerk der Reinigung und Pflege der wichtigsten „Instrumente“ – den Händen. Lote und Flussmittel hin­terlassen Rückstände auf der Haut. Selbst wenn Handschuhe getragen werden, müs­sen diese unbe­dingt abgewa­schen werden. Die Haut trock­net während der
Wie lässt sich am besten ge­sund löten? Er­sa erklärt dies im Videoclip.
Arbeit aus und braucht pflegen­de Feuchtigkeit.
Anschließend empfehlen sich einfache, kurze Entspannungs-
Welche Lötspit­ze ist die rich­tige für meine Lötanwen­dung? Ersa zeigt dies an­schaulich.
übungen am Arbeitsplatz: Bereits nach 5 min sind Augen wieder ausgeruht, Nacken- und Schulterpartie gelockert sowie Arme, Rumpf und Beine wieder fit. Hinweise zur Ergonomie am Arbeitsplatz und zu geeigneten Entspannungsübungen bieten viele Krankenkassen und private Organisationen wie „Die Gesundheits­tr ai ner “.
Übrigens: Ein anerkennendes Lächeln und ernst gemeinte, lobende Worte für die geleistete Arbeit kommen bei vielen Mit­arbeitern nach wie vor sehr gut an!
(mrc) n
Autor
Jörg Nolte
Produktmanager Ersa Tools, Rework & Inspektion, Ersa
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www.all-electronics.de
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